Dachverband der Österreichischen Sommeliervereine (OESOV)

Liebe Kollegen!

Wir haben einen neuen Weltmeister: Gerard Basset aus UK hat nun, nach 6 Versuchen den Olymp erklommen. Er ist nun Weltmeister, Europameister, Master of Wine und Master Sommelier. Die Weltmeisterschaft war vom Chilenischen Sommelierverband  perfekt und mit sehr viel Herz organisiert.

Die Schäden des Erdbebens waren noch sichtbar, ebenso die enorme Arbeit, die geleistet wurde, um uns eine schöne Weltmeisterschaft zu ermöglichen. Wie viel für uns getan wurde, können wir nur erahnen!!

52 Kandidaten waren angetreten, 12 durften in das Halbfinale weiterziehen, drei waren im  Finale.

Es begann mit einem schriftlichen Test:

10 Seiten: 100 Fragen, 90 Minuten:

Fragen zu Appelationen, Rebsortenkreuzungen, Zuordnungen Getränke  zu Regionen, Korrektur einer weltweiten  Schaumweinkarte ,Chemiefragen: Berechnungsfragen von Zucker, Alkohol, CO2, Fragen zur Weinlagerung, Weinkellerkonditionen, wo kann Wein gekauft werden.

Viele (25) DOC aus Italien waren gefragt, viele Fragen aus Südafrika und Nordafrika, wenig aus den klassischen Regionen. Die neuen DOCG aus Italien, Californien wurde historisch abgefragt: welches ist das älteste Weingut von Californien. So gut wie keine Fragen aus der neuen Welt: Chile, Argentinien und Australien kam sehr wenig und auch nicht schwierig.

Servicefragen waren z.B.:

Wie servieren Sie Musigny blanc 2003? Welche Gläser , welche Temperatur? (diesen Jahrgang gibt es nicht....) Deutschland: erste Gewächse: wo zugelassen, wo nicht.  Über Deutschland wurden Bereiche gefragt, die nicht einmal Jürgen Fendt wusste....

Rhone: wie viele % Weißweine sind in den Rotweinen erlaubt  , Hektar Shiraz auf der Welt, Ordnung der Top Drei Anbaugebiete inklusive Größe. Zu vorgegebenen Wassermarken musste das Land zugeordnet werden.

Bei Tee wurden die Abkürzungen – alle abgefragt, vom einfachsten bis zum Toplevel

Ein paar Kaffeesorten sollten zugeordnet werden.

Über die Zigarren kam nur eine Frage: über eine spezielle Edition aus dem Jahre 2000.

Von Österreich waren die DAC aus Niederösterreich gefragt.

Bei der Verkostung im Viertelfinale kamen 2 Weine, 3 Destillate:

Crozes Hermitage, Vijura, Pisco, span. Brandy, Grand Marnier

Beim Service wurden 3 Kandidaten zugleich in den Raum gebeten und die Aufgabe war, eine Flasche Rotwein für  je 2 Personen in 2,5 Minuten zu servieren.  Viele dekantierten und kamen daher mit der Zeit nicht aus. Es ging einfach um die Kontrolle der Flasche, daß liegend serviert wurde, Korkcheck

Folgende Länder kamen ins Halbfinale:

UK, Schweiz, Italien, Schweden, Frankreich, Canada mit 2 Kandidaten: weil die amerikanische Meisterin aus Kanada war und der Kandidat ebenso weiterkam, Norwegen,Rumänien, Japan, Spanien und Australien. Es waren 4 Frauen im Halbfinale!!

Im Halbfinale mussten die Kandiaten wieder einen Fragebogen von 100 Fragen beantworten. Das Niveau der Fragen war im Halbfinale angehoben und betraf hauptsächlich exotische Weinländer wie China, Namibia etc...

2 Weine, 3 Destillate mussten im  Halbfinale in 7 Minuten beschrieben und erkannt werden.

Im Service hatte man 4 Minuten Zeit, den Schaumweinservice für 7 Personen zu machen – die Falle war, daß der 1995 Moet noch mit der Klammer und nicht mit der Agraffe verschlossen war.

Zuvor musste der Kandidat ein Fischgericht verkosten und einen Rotwein dazu empfehlen.

Im Finale waren:

Frankreich mit David Bieraud die Schweiz mit Paolo Basso und England mit Gerard Basset. Es war ein Champagner Glasweise aus der Magnum zu servieren, außerdem musste Negroni gemacht werden.

Die Speisenempfehlung war: zu vorgegebenen Weinen aus verschiedenen Kontinenten musste der Kandidat landestypische Speisen empfehlen. Eine Magnumflasche Rotwein musste dekantiert werden, 4 Weine und 7 Destillate in der Verkostung .

Die übliche Weinkarte fehlte natürlich auch nicht, und ein Statement zum Sommelier wurde abgefragt. Das Niveau war extrem hoch, und es war auch eine Weltmeisterschaft der Überraschungen. Als sicher gesetzte Kandidaten konnten sich nach der 1. Runde nicht qualifizieren. Dies lag sicherlich nur zum Teil am lernen: es muss auch das Glück mitspielen, daß man Fragen bekommt, die man weiß!!! Auch ist wichtig zu betonen, daß die Kandidaten aus dem Osten sehr an Niveau gewonnen haben und in Zukunft sicherlich ernste Konkurrenten sein werden!!

Auf jeden Fall waren alle Kandidaten weltklasse!!!

Die Besten haben sich 4 Jahre intensiv vorbereitet. Das Lernpensum der meisten Kandidaten ist bei mindestens 6 Stunden Training jeden Tag.

Es liegt viel vor uns und wir sind nun auf die Europameisterschaft gespannt.

Annemarie